Im Trend: musical.ly und live.ly

Seit einigen Monaten wird die App musical.ly bei Teenagern immer beliebter, mit der Veröffentlichung der Zusatz-App live.ly im September 2016 dürfte auch Live Streaming, das Anfang 2015 durch YouNow populär wurde, zunehmend verbreitet werden. Da mich Schüler und Eltern gefragt haben, ob diese Apps “sicher” seien, hier meine Einschätzung.

Musical.ly ist eine Lipsync-App, mit der die User kurze Videos mit der Handycamera aufnehmen, in denen sie synchron (oder auch nicht…) zu Musikplaybacks die Lippen bewegen und/oder Tanzmoves machen und diese anschließend veröffentlichen.

Live.ly bietet zusätzlich die Möglichkeit, über den musical.ly-Account live zu streamen, und damit ähnliche Funktionalität bzw. auch Problematik wie YouNow. Unter dem Videofenster mit dem Livestream befindet sich ein Chatfenster, in dem Zuschauer Fragen und Kommentare posten können.

Für die Nutzung beider Apps gelten dieselben Grundregeln wie für Instagram und andere ähnliche Apps:

  • Das Mindestalter für die Nutzung liegt bei 13 Jahren.
  • Eltern sollten wissen, dass ihr Kind diese Apps nutzt und mit ihm über die geposteten Inhalte sowie den Schutz der Privatsphäre sprechen.
  • Zur Anmeldung sollte eine extra E-Mailadresse verwendet werden, die keine persönlichen Daten preisgibt, v.a. nicht Vor- und Nachname. Sich über einen vorhandenen Facebook- oder Twitteraccount anzumelden, ist nicht zu empfehlen, da dabei Daten zwischen den Anbietern ausgetauscht und z.B. zu Werbezwecken verwendet werden können. Wenn man die App anonym nutzen möchte, sollte man sich auf jeden Fall über eine neutrale E-Mail-Adresse anmelden.
  • Für den Account nicht den echten Vor- und Nachnamen benutzen, sondern einen Nickname.
  • Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man für seine Videos auch beleidigende und verletzende Kommentare kassieren kann, wenn andere sie für misslungen halten. Bei Youtube finden sich bereits Zusammenstellungen der “dümmsten/peinlichsten Musical.lys”! Um nicht in einem solchen Video zu landen, sollte man das Konto unbedingt auf “privat” setzen (s.u.).
    Auch im Chatfenster von live.ly muss man mit abfälligen und sexuell anzüglichen Kommentaren rechnen.
  • Auf keinen Fall sollte man in seinem Profil, in den Kommentaren oder im Chat persönliche Informationen preisgeben, die es Unbekannten ermöglichen herauszufinden, wo man herkommt und wer man ist: Echter Name, Adresse, Schule, Sportverein, Handynummer, Accounts von anderen Apps und Websites. Die Identität unvorsichtiger User ist häufig mit wenigen Minuten googlen herauszufinden. Erfreulicher Weise werden im Chatfenster von live.ly solche Hinweise regelmäßig eingeblendet.
  • Privatsphäre: Das Konto auf *privat* umstellen, die Voreinstellung ist *öffentlich*! (Usersymbol rechts unten, dann Zahnrad rechts oben).
  • Nicht die Handynummer zur Suche nach Kontakten eingeben, damit wird das Handyadressbuch ausgelesen und an den Anbieter der App verschickt. Was mit diesen Daten passiert, ist nicht bekannt – aber musical.ly lebt von Werbeeinnahmen! Nach deutschem Recht ist es nicht legal, die Kontaktdaten anderer an Dritte weiterzugeben!
  • Die App fragt nach dem Recht, veröffentlichte Videos mit einer GPS-Ortsangabe zu versehen, das sollte man ablehnen.
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    Berechtigungen

    Die umfangreichen und englischsprachigen Nutzungs- und Privatsphärebedingungen lassen sich sowohl in der App als auch auf der Website von musical.ly nachlesen, eine deutsche Übersetzung gibt es nicht. U.a. willigt man ein, dass die Nutzerdaten in die USA und nach Japan übertragen werden.

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    Kontakt- und Metadaten

    Bei der Installation verlangt die App umfangreiche Berechtigungen, u.a. Vollzugriff auf die Kontakte inklusive Verbindungsdaten! In den Nutzungsbedingungen findet sich u.a., dass persönliche Daten der Nutzer an Dritte weitergegeben werden und dass dafür auch die Musikbibliothek auf dem Handy gescannt wird.

  • Beim posten von Videos mit musical.ly sind die Urheberrechte der verwendeten Musikstücke zu beachten. Wer unter seinem echten Namen postet und seinen Account nicht auf “privat” eingestellt hat (s.o.) riskiert eine Abmahnung! Der Medienanwalt Christian Solmecke hat dazu einen Beitrag verfasst.

Weitere Informationen:


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