Ergebnisse der JIM-Studie 2016

Die JIM-Studie (Jugend, Information, Multimedia) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (www.mpfs.de) erscheint jährlich seit 1998 und erfasst die Mediennutzung von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren. Hier die wichtigsten Ergebnisse im Hinblick auf die Medienerziehung.

  • Bildschirmzeiten: Die täglichen Bildschirmzeiten an Wochentagen sind gegenüber 2015 leicht zurückgegangen, aber weiterhin exorbitant hoch. Sie betragen bei den Mädchen 5:38 Stunden (-12 Min.), bei den Jungen 5:57 h (-30 Min.). Auch wenn ein Teil davon als Multitasking stattfindet (Fernsehen mit Laptop auf dem Schoß und Handy in der Hand), sind diese Zeiten deutlich zu hoch, schließlich sind das Mittelwerte – die Extremwerte kann man sich vorstellen!
    Der stärkere Rückgang bei den Jungen erklärt sich v.a. durch eine Abnahme der Videospielzeiten um 17 Minuten auf 105 Minuten. Am Wochenende spielen Jungen durchschnittlich 155 Minuten (-12 Min.), Mädchen unverändert nur 58 Minuten. Der Spielekonsum korreliert weiterhin negativ mit dem Bildungshintergrund, Gymnasiasten spielen mit 61 Minuten an Wochentagen deutlich weniger als Haupt- und Realschüler (98 Min.) In Bezug auf Bücher lesen verhält es sich umgekehrt.
    Fernsehen ist mit 105 Minuten gegenüber 113 Minuten in 2015 weiter rückläufig.
  • Videospiele: Die beliebtesten Videospiele sind FIFA, Minecraft, Clash of Clans, Grand Theft Auto (GTA, USK 18), Candy Crush und League of Legends. Schulwirksame Spiele finden sich unter den populären Games weiterhin nicht, die Entwicklungsbudgets von Lernsoftware sind im Vergleich zu den Blockbustern geradezu lächerlich gering, so dass konkurrenzfähige Lernsoftware nach wie vor nicht in Sicht ist.
  • Lesezeiten: Die täglichen Lesezeiten an Wochentagen (gedruckte Bücher) haben sich gegenüber 2015 bei beiden Geschlechtern um 6 Minuten verringert: Mädchen 67 Minuten, Jungen 48 Minuten. Unverändert lesen 23 % der Jungen und 13 % der Mädchen niemals Bücher, d.h. auch nicht für die Schule.
  • Hausaufgaben: Erstmals wurde der tägliche Lern- und Hausaufgabenaufwand abgefragt, hier legen die Mädchen mit 106 Minuten eine knappe halbe Stunde vor den Jungen (78 Min.). Auf ein Schuljahr mit 40 Wochen hochgerechnet sind das satte 280 Stunden mehr Lernaufwand bei den Mädchen – eine eindeutige Erklärung für die deutlich schlechteren schulischen Leistungen der Jungen, die nur derzeit noch 45,6 % der AbiturientInnen stellen und dabei erheblich schlechtere Durchschnittsnoten erreichen. Nur jeder 3. Junge erhält noch eine Gymnasialempfehlung (Mädchen 41 %), zwei Drittel der Wiederholer und Schulabbrecher sind Jungen. Diese Schulkrise der Jungen begann mit den 90er Jahren und erreichte ihren Tiefpunkt im Jahr 2002 mit nur 44,2 % Abiturienten.
  • Inhaltliche Internetnutzung: Der ohnehin schon geringe Anteil der Informationssuche an der Internetnutzung hat sich noch einmal auf 10 % verringert (-4 %). Mädchen verbringen fast die Hälfte ihrer Zeit mit Kommunikation, (49 %, Jungen: 34 %), Jungen 28 % mit Onlinespielen (Mädchen: 10 %).
  • Apps & Communities: Facebook verliert bei Jugendlichen weiter an Boden, bei der täglichen Nutzung ist WhatsApp mit 89 % unangefochtener Marktführer. Dahinter liegen Instagram (39 %), Snapchat (35 %) und Facebook (32 %), dessen Nutzer sich zudem zu zwei Drittel als „passiv“ beschreiben. Vor allem bei den 12/13jährigen spielt Facebook so gut wie keine Rolle mehr, nur 7 % nennen es als eine der drei wichtigsten Apps, bei den 18/19jährigen sind es noch 44 %. Instagram (47 %, Jungen: 26 %) und Snapchat (35 %, Jungen: 19 %) als bild- und videodominierte Plattformen sind hier bei Mädchen deutlich populärer als bei Jungen. Streaming-Apps wie YouNow oder Periscope nutzen weniger als 1% der Jugendlichen regelmäßig.
  • Cybermobbing: Der Anteil derjenigen, in deren Bekanntenkreis jemand online „fertig gemacht“ wurde, ging gegenüber 2014 um 4 % auf 34 % zurück. 2015 wurde diese Frage nicht gestellt.
    19 % geben an, über sie sei schon einmal etwas Beleidigendes oder Falsches online verbreitet worden (Haupt-/Realschulen 22 %. Gymnasien 16 %), von 13 % wurden peinliche oder beleidigende Fotos oder Videos gepostet.
    8% geben an, online schon einmal selbst „fertig gemacht“ worden zu sein (2014: 7 %), Haupt-/Realschüler sind mit 10 % etwas häufiger betroffen als Gymnasiasten (7 %).
    Bei allen abgefragten Erfahrungen steigen die Quoten mit zunehmendem Alter.
    Diese Zahlen widersprechen einmal mehr den weitaus höheren Ergebnissen von Studien wie der des „Bündnis gegen Cybermobbing“ (2013, 16.6 %) oder des KFN (2016, 51.3 %), in denen regelmäßig der Fehler begangen wird, jeden online ausgetragenen Streit als Cybermobbing zu deklarieren. Mobbing unterscheidet sich klar von Streitigkeiten durch seine nachhaltige Wirkung auf die Betroffenen und eine Übermacht auf der Täterseite.
    Es muss also auch bei den 8 %, die angeben, schon einmal online „fertig gemacht“ worden zu sein, im Einzelfall geprüft worden, ob die genannten Kriterien für Mobbing zutreffen oder ob es sich nur um eine kurzzeitige Auseinandersetzung ohne Nachwirkungen handelt.
  • Smartphonebesitz: Der Anteil der Smartphonebesitzer unter der 12/13jährigen stieg erneut um 5 % auf 91 %, 62 % verfügen wie 2015 über eine Flatrate für mobiles Internet. Es bleibt also immer weniger Luft für Eltern, um das Killerargument „alle haben eins“ abzuschmettern.
    Bei den 14-19jährigen stieg der Smartphonebesitz um 2 % auf durchschnittlich 96 %. Die Ausstattung mit Flatrates stieg bei den älteren um durchschnittlich 5 % und liegt bei 76 % (14-15jährige), 85 % (16/17) bzw. 91 % (18/19).
  • Kritische Aussagen zum Smartphone:
    „Mit Apps/Communities verschwende ich manchmal ganz schön viel Zeit.“ => 70%
    „Ich bekomme manchmal so viele Nachrichten, dass es mich total nervt.“   => 55 %
    „Wenn mein Handy aus ist, habe ich Angst, etwas zu verpassen.“               => 19 %
  • Handyfreie Zeiten: 67 % der 12/13jährigen und 75 % der älteren Jugendlichen haben das Smartphone über Nacht in ihrem Zimmer! Schlafmangel und –störungen sind da programmiert. Wie viele ihr Handy nachts in den Flugmodus schalten und nur die Weckerfunktion nutzen, wurde nicht erhoben.
  • Handy in der Schule: 22 % dürfen das Handy im Unterricht benutzen (12/13jährige: 11 %, 14/17jährige: 21 %, 18/19jährige: 45 %), 32 % nur in der Pause, 40 % gar nicht. 6 % dürfen es gar nicht mit in die Schule nehmen, das dürfte dann eine elterliche Regelung sein, für die Schulen gibt es keine gesetzliche Grundlage für ein solches Verbot.
  • Schulisches WLAN: An 59 % aller Schulen (54 % der Gymnasien, 66 % der Haupt-/Realschulen) gab es auch im Jahr 2016 noch kein WLAN! Hier bestätigt sich die sarkastische Behauptung, .de stünde für „digitales Entwicklungsland“.
    An den 41 % mit WLAN ausgestatteten Schulen dürfen es Schüler bei 29 % gar nicht nutzen, bei 5 % nur in den Pausen, bei 7 % auch für Unterrichtszwecke.

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