Snapchat sicher nutzen

Eines vorweg: Dass es NICHT möglich ist, mit Snapchat private/intime/peinliche Aufnahmen sicher zu verschicken, d.h. sie so zu verschicken, dass der Empfänger diese nicht sichern und weiterverbreiten kann, sollte sich inzwischen bei allen Nutzern der App herumgesprochen haben – hat es aber leider nicht! Und nach wie vor gibt es unzählige Eltern, die gar nicht wissen, welche Apps ihre Kinder nutzen und mit wem sie darüber Kontakt haben – ein klares No-Go!

Bei Klicksafe gibt es einen ausgezeichneten => Leitfaden zu Snapchat, der alle Einstellungen ausführlich und mit Screenshots erklärt. Diese Anleitung möchte ich hier mit wichtigen Hinweisen zum Anlegen eines Snapchat-Accounts ergänzen.

Konkreter Anlass für diesen Beitrag ist folgender Vorfall in meiner Schule, der wieder einmal bestätigt, dass Kinder mit dieser Technologie komplett überfordert sind, insbesondere, wenn sie damit alleine gelassen werden:

Ein Club aufgeregter 12jähriger Mädchen, 7. Klasse, steht vor mir:

– “Wir wurden bei Snapchat gehackt und von einem Typen anonym angerufen, der sagt er will mit uns f…en!!!???
-“Hm, wie soll das denn gehen?”?
-“Bei uns allen ist so ein Häkchen, da kann jeder unsere Handynummer sehen!” (zeigen die Einstellung auf dem Handy)
-“Da steht, dass man euch über die Suchfunktion finden kann, wenn man eure Handynummer bereits kennt!”
-“Oh!?
– “Da steht auch, dass andere Snapchatter eure Nummern nicht sehen können.”
-“Ah!”
-“Den Haken solltet ihr trotzdem wegnehmen.”
-“OK. Der hat uns aber auch über WhatsApp Sprachnachrichten mit dem f-Wort geschickt.” (spielen mir die Nachricht vor)
-“Dann ist der doch gar nicht anonym und ihr habt seine Nummer!”
-“Oh, stimmt!?“.

Im weiteren Gespräch stellte sich auch heraus, dass manche grottenschlechte Passwörter wie 123Vorname nutzen. Das hatten wir schon in der 5. Klasse besprochen, alle konnten sich auch daran erinnern und die Kriterien für gute Passwörter brav aufzählen. Trotzdem nutzen viele dasselbe PW für alle Accounts und die beste Freundin kennt es natürlich auch…

Aber nun zu Snapchat: Zunächst sollte man sich vor der Installation die Berechtigungen, die Snapchat anfordert (im Beispiel auf einem älteren Android 5.02), genau ansehen und prüfen, ob und wie sich diese ggf. einschränken lassen.         Wenn man Snapchat mit einem Nickname nutzt und zur Anmeldung nicht die Handynummer verwendet (beides v.a. für Kinder dringend zu empfehlen), muss die App z.B. keinen Zugriff auf die Kontakte haben.

Auch die => Nutzungsbedingungen von Snapchat, die der Anbieter im zweiten Absatz als “rechtlich bindenden Vertrag” bezeichnet, sollte man durchgehen, insbesondere Eltern sind hier gefordert. Unter Punkt 1 ist zu lesen: “Personen unter 13 Jahren dürfen weder einen Account eröffnen noch die Services nutzen.Update: Laut der seit Mai 2018 gültigen EU-DSGVO müssen bei unter 16jährigen die Eltern der Anmeldung bei Sozialen Netzwerken zustimmen!
Unter Punkt 3 gewährt man für die in der App geteilten Inhalte “Snap Inc. und unseren Partnerunternehmen eine weltweite, gebührenfreie, unterlizensierbare und übertragbare Lizenz zum Hosten, Speichern, Verwenden, Anzeigen, Reproduzieren, Verändern, Anpassen, Bearbeiten, Veröffentlichen, und Verteilen dieser Inhalte.” Von daher sollte man sich sehr genau überlegen, welche Inhalte man über Snapchat teilt!

Bei der Einrichtung fragt Snapchat als erstes nach dem Vor- und Nachnamen. Kinder sollten im Netz immer nur unter einem Nickname auftreten, von daher sind hier Phantasienamen nicht nur erlaubt, sondern angesagt.

Auch hier gibt es keinen Grund, das echte Geburtsdatum anzugeben. Wenn unter 13jährige hier allerdings ehrlich sind, bricht Snapchat den Anmeldevorgang an dieser Stelle ab, da die AGB die Nutzung durch Kinder unter 13 Jahren ausschließen.

Diese Meldung bewirkt lediglich, dass man den Anmeldevorgang von vorne beginnen muss. Eine wirksame Altersbegrenzung gibt es nicht.

Hat man die Altergrenze überwunden, kommt man zur Auswahl des Nickname. Hat man in Schritt 1 seinen echten Vor- und Nachnamen angegeben, wird dieser für den Nickname verwendet. Hier sollten Kinder unbedingt einen Nickname wählen, der keinerlei persönliche Informationen enthält und auch Alter und Geschlecht nicht preisgibt.

Das Passwort sollte mindestens zehnstellig sein und Klein- und Großschreibung sowie Ziffern enthalten. Auch besten Freunden und Geschwistern sollte man es nicht verraten. Für verschiedene Accounts sollte man nicht dasselbe Passwort verwenden, sonst könnte jemand all diese Accounts übernehmen, wenn er dieses Passwort herausbekommt.

Zur Anmeldung bei Snapchat sollte man nicht die Handynummer verwenden, weil man über diese trotz Nickname gefunden werden kann, sondern eine E-Mailadresse, die man dafür extra anlegt. Diese Adresse sollte keine persönlichen Informationen wie Namen, Alter oder Geschlecht enthalten.

Auch wenn man sich mit einer E-Mail-Adresse anmeldet, will Snapchat die Handynummer wissen. Der Link zum Überspringen dieses Punkts ist klein und hellgrau oben rechts versteckt! Die Handynummer ist eine sehr private Information, die Kinder nur nach Rücksprache mit den Eltern weitergeben sollten.

Hinter dem harmlosen Angebot “Finde deine Freunde” verbirgt sich, dass Snapchat alle Handykontakte ausliest und auf einem amerikanischen Server speichert. Damit würde der Nutzer gegen das deutsche Datenschutzgesetz verstoßen! Auch hier findet sich der Link zum Überspringen gut getarnt oben rechts.

Den Zugriff auf die Kontakte fordert Snapchat noch ein zweites Mal ein. Auch hier liegt “nicht zulassen” unscheinbar unter dem unübersehbaren “Okay”-Button.

Die Komplexität dieses Anmeldevorgangs macht deutlich, dass Kinder damit nicht allein gelassen werden dürfen. Ihre Eltern müssen mit ihnen über die einzelnen Punkte sprechen und erklären, warum sie mit persönlichen Daten vorsichtig umgehen müssen. Tun sie das nicht, ist es keine Überraschung, wenn Kinder, die im Netz unter ihrem echten Namen agieren und/oder ihre Handynummer unüberlegt an Unbekannte weitergeben, unangenehme Erfahrungen machen, die sie dann aus Scham und Angst meist ihren Eltern verschweigen.

Weitere Einstellungen, die man im Blick haben muss:

Um die Einstellungen von Snapchat zu bearbeiten, klickt man auf dem Snapchat links oben auf das Geist-Symbol…

 

… und dann rechts oben auf das Zahnrad.

Diesen voreingestellten Haken sollte man entfernen, damit nicht jeder, der meine Handynummer kennt, mich in Snapchat finden kann. Hat man die Handynummer – wie empfohlen – nicht angegeben, ist das grundsätzlich nicht möglich.

 

Diesen Haken sollte man wegnehmen…

…und diesen ebenfalls.


Kommentare

Snapchat sicher nutzen — 2 Kommentare

  1. Ich finde es absolut schwachsinnig hier zu schreiben welche schlechten Seiten Snapchat alles hat. Anstatt mal davon zu berichten dass man andere snapchatter erst akzeptieren muss um Snaps von Ihnen zu bekommen oder dass man sieht wenn jemand das Bild was man geschickt hat gescreenshottet wurde. Zudem finde ich dass ein Kind auch lernen muss selbst Verantwortung zu übernehmen, was aber nicht geht wenn Helikopter Eltern alles beaufsichtigen was ihr Kind in Social Media macht. Klar, man sollte seine Eltern einweihen und natürlich ist es die Aufgabe der Eltern ihr Kind darüber zu informieren dass man eben nicht seinen ganzen Namen angibt und vielleicht nicht unbedingt ‚ Seinen Namen ‘ als Passwort nehmen sollte. Jedoch finde ich es absolut unverschämt auf dieser Internetseite, Eltern nur ein schlechtes Bild über die sozialen Netzwerke zu bringen, die meisten Eltern die dies hier lesen haben keine Ahnung und wollen ihr Kind nur unnötig beschützen. Ich möchte hiermit nicht ausdrücken dass alles was sie schreiben kompletter Schwachsinn ist, dennoch sollte man gerade in einen Bericht den viele unerfahren Eltern lesen auch die guten Seiten der App vorstellen.
    Liebe Grüße H. G.

  2. Hallo und danke für deine Rückmeldung. Den Tonfall finde ich allerdings daneben! Die Vorteile von Snapchat sind überschaubar und die kann jeder in kürzester Zeit selbst herausfinden. Lustige Hasenöhrchen oder Hundeschnauzen, Fotos die sich nach wenigen Sekunden löschen, Flames…
    Snapchat ist aber nunmal unter Jugendlichen die Nr. 1 App zum Austausch intimer Fotos und ich kenne jede Menge Fälle, in denen das gründlich schief gegangen ist. Und viele der Betroffenen waren anschließend lange in psychiatrischer Behandlung. Die Screenshot-Nachricht kann man kinderleicht verhindern, man kann Fotos mit einem anderen Handy abfotografieren, es gibt Apps, die jeden Snap heimlich im Hintergrund abspeichern, usw. Und was hilft es dir denn, wenn du weißt, dass jemand von deinem Nacktfoto einen Screenshot gemacht hat? Ich kenne auch eine ganze Reihe von Fällen, in denen Jungs Mädchen per Snapchat gezielt reingelegt haben, indem sie ein intimes Foto auf 1 Sekunde verlangt haben („da kann ich nur mal kurz gucken“) und das dann abfotografiert und verbreitet haben. Wenn man dieses Risiko kennt, kann man sich davor schützen, und genau darum geht es auf dieser Website. Nirgends wird hier „nur ein schlechtes Bild“ von sozialen Netzwerken verbreitet.
    Wenn du einen Artikel über die Vorteile von Snapchat schreiben möchtest, veröffentliche ich den hier gerne. Ich bin gespannt.

    Mit schwachsinnigen Grüßen 😉
    Günter Steppich

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