Und noch eine Pseudostudie zu Cybermobbing :-/

https://www.horizont.net/tech/nachrichten/cybermobbing-studie-jeder-zehnte-jugendliche-wurde-schon-opfer-von-digitalem-mobbing-170359

Schlagzeile: „Jeder zehnte Jugendliche wurde schon Opfer von digitalem Mobbing“

Und täglich grüßt das Murmeltier…

Vodafone fühlte sich wieder einmal berufen, eine „Studie“ – de facto: Telefonumfrage – zum Thema Mediennutzung in Auftrag zu geben. Dabei wurden ca. 1000 Eltern mit mindestens einem Kind im Haushalt 10 Minuten lang zur Mediennutzung und zu Medienerfahrungen ihrer Kinder befragt, u.a. zu Cybermobbing und Sexing. Es darf starkt bezweifelt werden, dass durch eine Elternbefragung belastbare Zahlen zu negativen Onlineerfahrungen von Kindern erhoben werden können, wenn nicht gleichzeitig auch die Kinder befragt werden. Nach meiner Erfahrung benutzen Eltern den Begriff Cybermobbing eher vorschnell, während sie beim Thema Sexting oft keine Ahnung haben, ob ihre Kinder davon betroffen sind.

Bei Vodafone finden sich weitere Informationen dazu:
https://www.vodafone.de/medien/politik-und-gesellschaft/digitaler-elternabend-zu-mobbing-sexting-und-suchtgefahr-von-kindern/

Details zur Studie:
https://s3-eu-central-1.amazonaws.com/vodafone-featured-live/wp-content/uploads/2018/09/19143858/Studienergebnisse.pdf

Zum Studiendesign findet sich darin auf S. 4: Mind. ein Kind im Alter von 0-6 Jahren, n=487 ; mind. ein Kind im Alter von 7-12 Jahren, n=409; mind. ein Kind im Alter von 13-17 Jahren, n=342. Mehrere Kinder im Haushalt, dann sind die Angaben immer auf das älteste Kind bezogen.“

Die Zahlen zu den Themen Cybermobbing und Sexting beziehen sich demnach nicht auf 1000 Jugendliche, sondern gerade einmal 342. Ob und wie diese bzw. deren Eltern repräsentativ ausgewählt wurden, erschließt sich nicht. Ob Telefonumfragen überhaupt repräsentativ sein können, ist grundsätzlich fraglich, insbesondere, wenn dabei nicht auch der soziale Hintergrund der Befragten erfasst wird.

Weiterhin zeigt sich, dass – wie so oft bei solchen Umfragen – der Begriff „Cybermobbing“ überhaupt nicht scharf definiert wurde, von den befragten Eltern wurden dazu auch Kriterien wie Beleidigung, Beschimpfung, Stalking, Identitätsdiebstahl, und Onlinebetrug genannt. Um von Mobbing sprechen zu können, muss allerdings eine nachhaltige Wirkung auf die Betroffenen sowie eine Übermacht der Täter gegeben sein. Zwischen nur zwei Personen sind auch heftigste Onlineauseinandersetzungen kein Mobbing, und auch kurzfristige Vorfälle ohne nachhaltigen Effekt auf die Betroffen gehören nicht in diese Kategorie. Wenn aber jede WhatsApp-Auseinandersetzung als „Cybermobbing“ deklariert wird, haben wir natürlich ein gigantisches Problem!

Warum manche Journalisten dann auch noch 8 % großzügig zu 10 % aufrunden, bleibt deren Geheimnis. Ein Klassiker ist  auch, dass bei einer Umfrage zur Mediennutzung das Thema Cybermobbing in der Überschrift dramatisch hervorgehoben wird, vermutlich verspricht man sich damit mehr Klicks…

Fazit: Cybermobbing ist ein ernsthaftes Problem, aber unsauber durchgeführte Umfragen mit überzogenen Ergebnissen sind für die Lösung dieses Problems nicht hilfreich. Und das Kernproblem von Cybermobbing ist offensichtlich das Grundwort Mobbing, nicht Cyber! So gut wie jeder Fall von Onlinemobbing beginnt offline im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof oder bei privaten Aktivitäten.


Kommentare

Und noch eine Pseudostudie zu Cybermobbing :-/ — 2 Kommentare

  1. Offensichtlich ist Cyber-Mobbing aufgrund des aktuellen Zeitalters der sozialen Medien zu einem sehr ernsten Problem geworden. Im 21. Jahrhundert hat jedoch fast jedes Kind eine Online-Präsenz. Eine der derzeit beliebtesten Social-Media-Seiten ist „Snapchat“. Die meisten Nachrichten, die auf dieser App verschickt werden, löschen sich innerhalb von zehn Sekunden. Daher glauben Kinder, dass das egal ist, was sie schicken, ob es sich um ein unangemessenes Bild oder einen verletzenden Kommentar handelt. Leider kann das nicht wirklich gestoppt werden, es sei denn, die App selbst wird gelöscht. Auch dann gibt es hunderte von anderen Websites, wie „AskFm“ oder „Sarahah“, so dass Teenager anonym online posten können. Daher glaube ich, dass die Ursache für Cybermobbing die Wächter und Lehrer dieser Teenager sind. Wenn Schulen den Unterricht in der Online-Sicherheit und die Bedeutung ihrer Online-Präsenz in den Vordergrund stellen, könnten wir verhindern, dass Cybermobbing in einem so großen Ausmaß stattfindet. Darüber hinaus sollten Eltern ihren Kindern von klein auf gute Sitten und Überzeugungen beibringen, die es ihnen ermöglichen, diese Apps und Websites zu haben, ohne unhöflich oder unangemessen zu handeln. Es ist unmöglich, Apps wie „Snapchat“ und „Instagram“ zu zerstören, die zu einem Grundpfeiler des modernen Lebens geworden sind, egal ob man damit einverstanden ist oder nicht. Beginnen Sie von vorgangs, Kinder über soziale Medien zu erziehen, und vielleicht werden es in Zukunft keine Probleme geben.

  2. Liebe Emilia, Lehrer sind ganz sicher nicht die Ursache für Cybermobbing! Erziehung ist in erster Linie eine Aufgabe der Eltern, und wer seinen Kindern Computer, Smartphones und Tablets zur Verfügung stellt, ist auch verpflichtet, sie bei der Nutzung anzuleiten, zu begleiten und auch zu kontrollieren. Schulen können Eltern dabei unterstützen, allerdings können wir nicht in die Kinderzimmer hinein wirken. Und es fehlen nach wie Konzepte und Vorgaben, wie genau das an den Schulen auszusehen hat. Mal ganz abgesehen davon, dass Lehrkräfte nicht medienkompetenter sind als Eltern.

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