Denkanstoß: Checkliste für funktionierenden „Distanzunterricht“

Der Ruf nach digitalem „Distanzunterricht“ wird angesichts der Coronaumstände immer lauter. Eine häufig diskutierte Variante ist z.B., dass nur ein Teil der Lerngruppe in der Schule präsent ist, während die anderen von zuhause live zugeschaltet werden. So weit die gut gemeinte Theorie.

Einmal abgesehen davon, dass ein auch noch so perfekt gestalteter Distanzunterricht niemals ein vollwertiger Ersatz für Präsenzunterricht mit persönlicher Ansprache sein kann, wird bei diesen Forderungen meist übersehen, welche komplexen technischen und personellen Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit solche Unterrichtsformen überhaupt funktionieren können. Menschen, die nicht vor Ort in den Schulen arbeiten, können sich meist nicht ansatzweise vorstellen, wo der Schuh diesbezüglich überall drückt.

Folgende Fragen sind dazu im Vorfeld zu klären, hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – meine Checkliste, in die zahlreiche Rückmeldungen von Lehrkräften eingeflossen sind:

  1. Technische Ausstattung in der Schule
    1. Ist ein leistungsstarker Breitbandanschluss vorhanden? Welche Bandbreite ist nötig, wenn in einer weiterführenden Schule mehrere oder gar alle Klassen und Kurse simultan Onlineunterricht per Videoschalte erhalten sollen? An meiner Schule sind das allein in den Klassen 5 bis 10 32 Lerngruppen, dazu kommen die Oberstufenkurse! Wie viele simultane Webcams verkraftet die Leitung und was machen meine Distanz-SchülerInnen eigentlich, wenn sie die Webcam nicht anschalten dürfen bzw. können?
      Standard-DSL-Anschlüsse können das i.d.R. nicht leisten, weil hier der Upstream (die ausgehende Leitung) erheblich niedriger ist als der Downstream.
    2. Gibt es in den Klassen- und Kursräumen WLAN oder LAN-Anschlüsse?
    3. Sind diese Räume mit leistungsfähigen schulischen Endgeräten ausgestattet, von denen Audio und Video gestreamt werden kann? Die Nutzung privater Endgeräte zur Verarbeitung von Schülerdaten ist datenschutzrechtlich streng genommen gar nicht zulässig!
    4. Sollten für das Streaming Dienstlaptops o.ä. zur Verfügung gestellt werden, wer administriert und wartet diese? Aktuell gibt es an den staatlichen Schulen keine professionellen Administratoren, während das in Firmen und Behörden zu Recht als unabdingbar gesehen wird. An den Schulen sollen das dagegen IT-affine Lehrkräfte mit meist ein bis zwei wöchentlichen Entlastungsstunden leisten – was schlicht unmöglich ist! An meiner Schule gibt es aktuell fast 200 Endgeräte, in Firmen und Behörden rechnet man pro 100 Geräte eine Administratorenstelle!
    5. Gibt es zu diesen Endgeräten Mikrofone oder Headsets? Die in Laptops eingebauten Mikrofone bieten für diesen Zweck keine ausreichende Sprachqualität, es sei denn, die Lehrkraft sitzt permanent direkt vor dem Gerät. Ohne Headset besteht die Gefahr von Rückkoppelungen.
      Es müssen aber auch die Wortbeiträge der Schülerinnen und Schüler nach außen übertragen werden. Dazu ist ein externes Mikrofon (ab 75 €) mit zwischen Kugel (360 Grad Aufnahme) und Niere (nur frontal) umschaltbarer Richtcharakteristik empfehlenswert – andernfalls muss das Endgerät von der Lehrkraft jeweils in Richtung der Sprechenden geschwenkt werden.
    6. Wie werden die Wortbeiträge der externen Schüler in die Klasse übertragen (auch hier Rückkoppelungsgefahr, wenn das über Lautsprecher geschieht). Muss die Lehrkraft ggf. jeden Wortbeitrag für die Anwesenden wiederholen? Hilfreich sind auch sogenannte Konferenzlautsprecher mit eingebauten Mikrofonen (ab ca. 100 €), die allerdings nur für 6-8 Personen in einem Raum ausgelegt sind, nicht 30.
      Auflistung einer Kollegin, was sie auf eigene Kosten angeschafft hat, da nicht vorhanden: 5m Verlängerungskabel, USB-C-Hub, HDMI-Kabel, Headset, Netzwerkkabel, Konferenzlautsprecher.
    7. Ist das Equipment ad-hoc nutzbar oder muss es vorab eingerichtet werden? Wie lange dauert ggf. der Auf- und Abbau der Technik, der dann von der Unterrichtszeit abgeht. Lehrkräfte müssen häufig vor und nach Unterrichtsstunden Pausenaufsichten wahrnehmen (die unter Corona noch einmal deutlich zugenommen haben) und können die Pausen nicht zum Aufbau nutzen – einmal abgesehen davon, dass wir auch ein Anrecht auf Pausen haben.
    8. Welche Videokonferenzsoftware steht zur Verfügung, ist der Funktionsumfang adäquat und ist sie datenschutzkonform.
    9. Insgesamt ist die Mehrheit der deutschen Schulen bezüglich all dieser Fragen sehr schlecht ausgestattet und im internationalen Vergleich weit abgeschlagen!
  2. Personelle Voraussetzungen: Sind Lehrkräfte ausreichend digitalkompetent, um diese Technik souverän und effizient einzusetzen?
    1. Technische Grundlagen: Aktuell lautet die Antwort auf diese Frage eindeutig: „NEIN“, auch hier landet Deutschland im internationalen Vergleich am Tabellenende. Wir Lehrkräfte wurden für diese Technologie nicht ausgebildet, und im Jahr 2020 spielt Medienbildung für Lehramtsstudierende an den Universitäten sowie im Referendariat immer noch kaum eine Rolle. Dementsprechend finden sich auch bei einem Großteil der ReferendarInnen und Junglehrkräfte massive digitale Defizite, viele davon bereits im technischen Grundlagenbereich, sprich: Wie verbinde ich Gerät A mit Gerät B (Bild, Ton, Netz), welches ist das richtige Kabel (VGA, HDMI, DisplayPort – oh, du hast ja ein Apple-Gerät…?) wie bediene ich Videokonferenzsystem C, wieso geht meine Webcam nicht an, warum höre ich keinen Ton.
    2. Didaktik und Methodik: Bis zum reibungslosen Funktionieren der Technik, sind didaktische und methodische Fragen im digitalen Bereich noch gar nicht gestellt worden. Um diese zu klären, bräuchte es intensive fachspezifische Fortbildung, denn die Mathelehrerin hat ein ganz anderes Anforderungsprofil in ihrem Digitalunterricht als der Englischlehrer oder die Musikkollegin. Digitale Unterrichtsformen bieten ganz andere Möglichkeiten, als den herkömmlichen Unterricht per Webcam nach draußen zu senden oder den klassischen Kreideanschrieb am Smartboard fortzuführen. Im Übrigen beschweren sich viele meiner KollegInnen vehement, wenn sie in ihrem Klassenzimmer keine Tafel mehr vorfinden!
    3. Wer ist in der Lage, diese dringend nötige digitale Aus- und Fortbildung von Lehrkräften zu leisten? Auch unter DozentInnen an den Universitäten sowie AusbilderInnen an den Studienseminaren ist in Sachen Digitalkompetenz noch sehr viel Luft nach oben. Diese Aufgabe sollte von digital versierten Lehrkräften übernommen werden, die sich mit allen Tücken, nicht nur den technischen, des Schulalltags auskennen – diese müssten dafür entsprechend freigestellt werden und fehlten dann wiederum im Unterricht. Schulungen durch Mitarbeiter von Hard- und Softwareherstellern sind nach meiner Erfahrung nur sehr begrenzt hilfreich, weil hier die spielentscheidende schulische Insiderperspektive fehlt.
  3. Technische Ausstattung der SchülerInnen
    1. Verfügen alle SchülerInnen zuhause über einen Breitbandinternetanschluss, der für Streaming geeignet ist? Gerade in ländlichen Gebieten ist das häufig nicht der Fall.
      Der Breitbandatlas des BMVI offenbart ganz erhebliche Lücken:
      https://www.bmvi.de/DE/Themen/Digitales/Breitbandausbau/Breitbandatlas-Karte/start.html
    2. Besitzen alle ein geeignetes Endgerät mit ausreichend großem Bildschirm und arbeitstauglicher Tastatur? Immer mehr Kinder und Jugendliche besitzen nur noch Smartphones, diese sind für effizientes Arbeiten aber kaum geeignet. Smartphone-Apps verfügen gegenüber Desktopprogrammen meist nur über sehr eingeschränkten Funktionsumfang.
    3. In manchen Haushalten gibt es noch nicht einmal WLAN! Wie lange reicht das mobile Datenvolumen bei Streaming und wer bezahlt das?
    4. Was ist, wenn Geschwister sich ein Endgerät teilen müssen, aber gleichzeitig Onlineunterricht haben?
    5. Falls SchülerInnen vom Schulträger Leihgeräte zur Verfügung gestellt bekommen, wer wartet diese?
    6. Kann gewährleistet werden, dass v.a. ohnehin benachteiligte Kinder aus prekären Verhältnissen nicht zu den Verlierern des Distanzunterrichts werden? Während des ersten Lockdowns hat sich dieses Problem bereits überdeutlich gezeigt. Dies ist nicht nur bedingt durch mangelnde technische Ausstattung, sondern auch sehr stark durch fehlende elterliche Unterstützung.
    7. Zu glauben, dass Kinder und Jugendliche im Onlineunterricht genau das tun, was sie tun sollen und brav ihre Arbeitsaufträge erfüllen, wenn sie das schon im Präsenzunterricht unter pädagogischer Aufsicht häufig nicht tun, ist reichlich blauäugig…
  4. Datenschutz
    1. Um Unterricht live streamen zu dürfen, müssen laut DSGVO sämtliche Beteiligten im Klassenraum und am häuslichen Arbeitsplatz zustimmen, bei Minderjährigen auch deren Eltern. Verweigert nur eine Person ihr Einverständnis, darf kein Streaming stattfinden – was dann?
    2. Im Präsenzunterricht kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Disziplinproblemen. Wie geht man damit um, wenn die Situation live nach draußen übertragen wird, wo ggf. nicht nur SchülerInnen, sondern Familienmitglieder mithören?
    3. Heimliche Mitschnitte von Streams aus dem Unterricht sind Straftatbestände. Verhindern lassen sich solche Vorfälle nicht, wie geht man damit um?
    4. Mit welcher Ausstattung lässt sich Distanzunterricht DSGVO-konform durchführen?

Wer also angesichts dieser vielen offenen Baustellen und ungeklärten Fragen aktuell vollmundig fordert, die Schulen sollten „einfach auf Distanzunterricht umstellen“ bzw. solche Forderungen beklatscht, outet sich in Bezug auf die Schulrealität schlicht als vollständig szenefremd.


Kommentare

Denkanstoß: Checkliste für funktionierenden „Distanzunterricht“ — 15 Kommentare

  1. Hallo Herr Steppich.
    Super, dass sich endlich mal jemand die Mühe macht, die Voraussetzungen für den Distanzunterricht zu notieren. Dies ist sicherlich ein gutes Hilfsmittel bei Gesprächen und Verhandlungen mit den entsprechenden städtischen und staatlichen Stellen.
    Vielen Dank!

  2. Vielen lieben Dank Herr Steppich!! Wie immer sehr wichtig, hilfreich und right on time.

  3. Lieber Herr Steppich,

    vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben und den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Wir sind eine Grundschule und mit dem Distanzunterricht digital, wie sich das das Kultusministerium vorstellt, völlig alleingelassen und teilweise ehrlich gesagt auch überfordert.
    Schön wäre es, wenn das Kultusministerium Ihre Checkliste auch bekommt, damit sie ihre Hausaufgaben machen können.

  4. Lieber Herr Steppich,

    wunderbar, wie Sie unsere gesammelten Gedanken – und noch weitere – zusammengefasst haben! Wir, eine Grundschule, planen aus den genannten Gründen keinen Distanz-Videounterricht. Schon bei der ersten Schließung meldeten uns die Eltern zurück, dass sie selbst das hauseigene Gerät benötigen und auch die volle Bandbreite des Internetanschlusses für ihre Videokonferenzen. Die Übertragung aus dem Unterricht ist wegen der geschilderten Problematik der Diziplinprobleme auch in unseren Augen schwer umzusetzen.

  5. Hallo Günter,
    Deine Auflistung der Probleme hat mir fast den Atem genommen: unglaublich skandalös, was unsere „Bildungs“-Politiker/innen über Jahre hinweg verpennt haben!
    Hoffentlich gilt auch für sie Nossrat Peseschkians optimistische Feststellung: „Zum Lernen ist es nie zu früh, nie zu spät, sondern immer höchste Zeit!“
    Herzlich
    HB

  6. Danke Hartmut. Die drei Kernprobleme dieser Checkliste – Ausstattung, Support und Fortbildung – habe ich erstmals 1999 in einem Brief an den damaligen Kultusminister Holzapfel aufgelistet. Auch seine beiden Nachfolgerinnen haben diesen Brief bekommen. Antwort gab es nie. Jetzt kann sagen „ich habe es euch ja gesagt“, aber was hilft das? Wir stehen nach wie vor vor einem Berg ungelöster Probleme und die SchülerInnen müssen es ausbaden. „Was sie jetzt versäumen, lässt sich nicht nachholen“ – sagte vorgestern unser Ministerpräsident!
    https://www.hessenschau.de/politik/fuer-die-zukunft-junger-menschen-ist-entscheidend-dass-sie-unterricht-kriegen,video-137890.html

  7. Hallo Hr. Steppich,
    bei dieser Checkliste wagt doch keine Schule sich an diese Schulform heran. Ich finde, die Schulen müssen es jetzt wagen und nicht die gesamte Checkliste abarbeiten. Wir haben jetzt die Pandemie und nicht in 2 Jahren. Ein Hybridunterricht muss jetzt beginnen z.B. mit einer Klassenstufe und dann ausgeweitet werden. Bei dieser Liste werden m.E. alle Zweifler und Gegner bestärkt. Firmen haben von heute auf morgen umgeschaltet ohne große Checkliste.

  8. Hallo Frau März,

    der Unterschied ist nunmal, dass Firmen andere finanzielle Möglichkeiten und eine professionelle IT-Abteilung haben, dann klappt Home Office. Meine Frau sitzt seit März im Home Office mit Firmenrechner und sicherer VPN-Verbindung ins Firmennetz.
    Wenn man diese Checkliste nicht abarbeitet, funktioniert Distanzunterricht nicht, die Verlierer sind dann die Kinder, v.a. diejenigen, deren Eltern finanziell knapp sind, bzw. die beim Lernen nicht helfen können. Das hat sich im ersten Lockdown klar gezeigt.

  9. Hallo Herr Steppich,

    ich bin vom Schulleiter einer weiterführenden Schule in einem „Elternbrief“ auf Ihren Beitrag hier aufmerksam gemacht worden.

    Ihre Meinung, das Distanzunterricht nicht funktioniert, wenn ihre umfangreiche Checkliste nicht abgearbeitet wird, teile ich nicht.

    In Ihrem Kommentar vom 28. November schreiben Sie, dass Sie seit 1999 die von ihnen identifizierten Kernprobleme erfolglos vorgetragen haben.

    Herr Steppich, lassen Sie mich etwas keck behaupten: Kein Wunder! So willkommen eine umfassende Beleuchtung der Problemstellungen als Priorisierungshilfe sein mag, so abschreckend wirkt sie auf alle, die etwas verändern wollen.

    So taugt dieser Artikel vor allem ein Schutzschild, hinter den problemlos ein ganzes Lehrerzimmer samt angeschlossener Administration passt. Das ist in Ordnung, wenn es um die Abwehr oftmals unverschämter Ansprüche aus der Elternschaft geht.

    Wenn es aber darum geht, in der Sache weiterzukommen, dann schadet er. Es besteht die Gefahr, dass die dringend erforderlichen und oft allseits hochwillkommenen kleinen Schritte angesichts des vermeintlichen Problembergs gar nicht erst unternommen werden. Mit einem „Denkanstoss“ nehmen Sie sich hier selbst aus der Verantwortung und sind nur Botschafter.

    Ob und in welcher Form sich die Probleme aus ihrer Liste materialisieren, hängt von so vielen Dingen ab. Wenn aber schwache Argumente keine Flügel bekommen sollen, dann braucht dieser Artikel eine Fortsetzung.

    Mit über zwanzig Jahren Erfahrung im Thema können sie einen Beitrag leisten, die geschilderten Probleme einzuordnen und pragmatische Lösungen aufzuzeigen. Auch mit Beteiligung, und da mache ich mir keine Illusionen, eines vermutlich eher kleinen Teils der Elternschaft.

  10. Lieber Herr Steppich.

    Es muss ihnen sicher zu Denken geben, dass ihre Checkliste hauptsächlich als Argument dient, dass ein Distanzunterricht „noch“ nicht durchgeführt werden kann.

    Ihre Antwort auf einen früheren Kommentar „Wenn man diese Checkliste nicht abarbeitet, funktioniert Distanzunterricht nicht“ ist ein klassischer falscher Umkehrschluss. Das Abarbeiten der Checkliste ist sicher führt dazu, dass Distanzunterricht (vermutlich gut) funktioniert. Aber es kann Distanzunterricht geben auch ohne jeden Punkt der Liste zu erfüllen. Nämlich indem in dem ein oder anderen Punkt auch mal improvisiert wird. Die Ermutigung zum Improvisieren fehlt hier leider völlig und so ist ihre Liste hauptsächlich bei jenen populär, die vielleicht gar keinen Distanzunterricht wollen.

    Ich kenne Beispiele in denen der Distanzunterricht sehr gut funktioniert und da werden nicht alle Punkte ihrer Liste erfüllt.
    Auch an Universitäten funktioniert der Distanzunterricht auch deshalb gut, weil man den Lehrenden Freiräume gibt. Die Rolle der Administratoren ist zumindest in einigen Fällen sehr überschätzt.

    Liebe Grüße
    Christian Fries

  11. Hallo Oliver, während sehr viele andere Länder diese Checkliste schon seit vielen Jahren lächelnd abnicken, müssen deutsche Schulen rumimprovisieren, Notlösungen organisieren und scheitern in vielen Fällen schon an der miserablen Internetverbindung. Mir geht es keinesfalls darum, Distanzunterricht zu verhindern, ich habe selbst im Umgang mit der Technik keinerlei Probleme und unterrichte an einer vergleichsweise gut ausgestatteten Schule. Aber wenn aber morgen ein Teil der SchülerInnen in die Schule kommt, während die meisten zuhause bleiben, wird unser Versuch, Unterricht nach Stundenplan zu machen und aus den Klassenzimmern zu streamen, schlicht und ergreifend an einer Internetanbindung mit 200Mbit scheitern – dieselbe Leitung habe ich zuhause, da sind wir aber nur zu zweit.
    Ziel eines Distanzunterrichts muss es sein, dass die SchülerInnen möglichst wenig Nachteile dadurch haben und dass die Bildungsgerechtigkeit nicht noch weiter in Schieflage gerät. Es kann nicht unser Anspruch sein, mit irgendwelchen Notbehelfen, die sich vielfach auf Aufgabenversand per E-Mail reduzieren, fehlenden Präsenzunterricht mehr schlecht als recht zu kompensieren.
    Pragmatische Teillösungen gibt es natürlich, aber die sehen an jeder Schule anders aus. Deswegen habe ich oben ganz bewusst nur Fragen gestellt, beantworten muss diese jede Schule für sich.

  12. Lieber Herr Fries, einen Teil meiner Antwort finden Sie einen Kommentar weiter oben. Ansonsten schlage ich vor, Sie versuchen mal an irgendeiner durchschnittlich ausgestatteten Schule Distanzunterricht zu halten, der diese Bezeichnung verdient, anschließend diskutieren wir weiter. Ganz frische Meldung: Das bayrische Kultusministerien hat seinen Schulen Distanzunterricht gerade verboten! Warum wohl? Gleichzeitig melden sämtliche digitalen Schulportale wie schon im ersten Lockdown massive Performanceprobleme, wer hat denn da seit März seine Hausaufgaben nicht gemacht? Ich stelle in meinem Artikel Fragen, die jede Schule für sich beantworten muss. Manche können das besser, manche schlechter, viele gar nicht, insbesondere nicht die Grundschulen. Und wenn sie die Schulen mit den Unis vergleichen, outen Sie sich damit als komplett szenefremd, das sind nicht ansatzweise vergleichbare technische Voraussetzungen. Oder gibt es an irgendeiner Uni einen Dozenten, der mit einer Wochenstunde die komplette Uni-IT administriert? Den würde ich gerne kennenlernen…
    Schöne Grüße
    Günter Steppich

  13. Diese Diskussionen sind so kraftraubend, dass ich als IT-Beauftragter unserer Schule es einfach nur noch Leid bin, mit Irgendjemandem außerhalb der Schule darüber zu diskutieren, da deren Vorstellungen vom Schulalltag einfach nur weltfremd sind.
    Neben dem Datenschutz ist vor allem der fehlenden Support das größte Problem an Schulen. Wir haben die Größe eines größeren mittelständischen Unternehmens, voll mit PCs und Smartboards, die aber leider ständig nicht funktionieren. Auf Reparaturen oder Behebung der Probleme wartet man dann gerne mal 4 Wochen plus. Das will ich mal in einem normalen Betrieb erleben, dass man auf Hilfe so lange warten muss. Aber hey, wer braucht schon eine Tafel? Früher ging es doch auch. 5 Milliarden aus dem Digitalpakt gehen nur in Hardware, aber darum kümmern sollen sich Lehrkräfte, die das mal eben so nebenher machen. Wie hieß es so schön, auf die Frage wer das alles warten soll: „Wir erwarten keine Mehrarbeitfür Lehrkräfte.“
    Die Schüler sollen sich dann Zuhause in ihre datenschutzkonforme Lernplattform einloggen. Geht leider nicht, Passwort falsch, kein Endgerät, kein Internet, kein Bock. Aber lasst uns doch improvisieren. Vielleicht hilft etwas Klebeband und Backpulver wie bei MacGyver.
    Jetzt kriegen wir alle noch Laptops, die erstens keiner braucht und die natürlich wieder von Leuten aus der Schule gewartet werden sollen. Den Haufen Elektroschrott hätten sie sich besser gespart und jeder Schule mindestens eine externe Fachkraft spendiert, die am besten mit Beamerlampen und ähnlichem Material ausgestattet ist, um Probleme vor Ort sofort beheben zu können.
    Aber mit der Schule ist es leider wie mit dem Fußball: Jeder, der mal gegen einen Ball getreten hat hat natürlich mehr Ahnung als die Trainer der Bundesliga. Und nur weil jeder mal Schüler war, weiß man leider nicht automatisch wie Schule funktioniert.
    Jetzt reg‘ ich mich schon wieder auf…

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