Eltern und Lehrer auf facebook?

  1. Soll ich meinem Kind erlauben, sich bei facebook anzumelden?
  2. Soll ich mich als Mutter/Vater selbst bei facebook anmelden?
  3. Müssen Lehrer heute bei facebook sein?
  4. Sollten/dürfen Lehrer mit ihren Schülern auf facebook befreundet sein?

Das sind häufige Fragen bei meinen Fortbildungen und Elternabenden, die sich recht eindeutig beantworten lassen.

  1. Facebook erlaubt die Anmeldung ab 13 Jahren. Einem jüngeren Kind zu erlauben, einfach ein falsches Alter anzugeben und damit gegen die Nutzungsbedingungen zu verstoßen, halte ich für einen falschen Ansatz.
    Spätestens ab der 8. Klasse sind dann aber tatsächlich praktisch alle bei facebook angemeldet und ein Großteil der Kommunikation läuft über diese Plattform. Ein facebook-Verbot würde bedeuten, dem Kind ein wesentliches Element der Lebenswelt von Teenagern zu verweigern und es damit auch ein gutes Stück von seinem Freundeskreis zu isolieren. Wer nicht bei facebook ist, bekommt vieles nicht mit. Mit gr0ßer Wahrscheinlichkeit würde sich das Kind den Account dann heimlich bei Freunden, im Computerraum der Schule oder im Internetcafé anlegen und auch nach Möglichkeit auch zuhause heimlich nutzen.
  2. Um Frage 1 ohne Bauchschmerzen positiv zu beantworten, lautet hier die Antwort eindeutig “JA”! Nachdem man mit seinem Kind gemeinsam den Account erstellt und die hier empfohlenen Privatsphäreeinstellungenvorgenommen hat, legt Mama/Papa selbst ein Konto bei facebook an, um zu überprüfen, ob das Profil des Kindes auch wirklich keine Informationen an Fremde preisgibt und um die Funktionsweise von facebook auch selbst zu verstehen.
    Zur Unterstützung haben wir auf Facebook eine Nachhilfegruppe für Eltern eingerichtet:
    https://www.facebook.com/groups/333335050045894Grundsätzliche Empfehlungen für die Anmeldung bei facebook:

    • es sollte dafür eine zusätzliche Emailadresse angelegt werden, die keinen Aufschluss über Namen und Alter gibt
    • das Passwort sollte mindestens achtstellig sein und sich aus Groß- und Kleinbuchstaben sowie Zahlen zusammen setzen
    • das Passwort darf auf keinen Fall Freunden oder Geschwistern verraten werden
    • auf dem Profilbild sollte das Kind nicht erkennbar sein
    • auch wenn das Profil gut abgesichert ist, sollten nur solche Informationen und Fotos eingestellt werden, die man wirklich jedem zeigen würde, denn jeder auf der Freundesliste kann diese Inhalte kopieren und an anderer Stelle veröffentlichen.
    • der Freundefinder von faceook sollte auf keinen Fall verwendet werden! Man gibt facebook damit sämtliche Kontakte aus dem eigenen Emailkonto preis, was einen klaren Verstoß gegen deutsches Datenschutzrecht darstellt.
  3. Auch hier ein klares “JA”! Für Teenager hat sich facebook längst zur dominaten Kommunikationsplattform entwickelt, auf der alles diskutiert wird, was für diese Altersgruppe interessant ist. Auch Mobbing findet hier statt bzw. wird aus dem Klassenzimmer ins Onlineleben mitgenommen und entwickelt dort oft eine erheblich heftigere Wirkung. Lehrern, insbesondere Klassenleitern, die selbst nicht in sozialen Netzwerken angemeldet sind, fehlt diesbezüglich jegliche Beratungskompetenz.
  4. Ganz klar: Lehrer sollten auf keinen Fall aktiv mit Freundschaftsanfragen auf ihre Schüler zugehen und sie damit in eine Zwickmühle bringen: Soll ich annehmen und damit einem Lehrer Einblick in mein Profil und mein Privatleben geben, oder ablehnen und mich dadurch evtl. beim Lehrer unbeliebt machen. Zwar lässt sich die Freundesliste in Gruppen mit unterschiedlichen Leserechten unterteilen, dennoch kommt eine Freundschaftsanfrage dem Wunsch gleich, das Zimmer des Jugendlichen betreten zu wollen.
    Wenn andererseits Schüler Freundschaftsanfragen an ihre Lehrer stellen, muss man für sich selbst entscheiden, ob und wieviel Einblick ins Privatleben man seinen Schülern gewähren möchte. Hat man den Account ohnehin nur aus schulischen Gründen angelegt und postet nichts privates, ist das sicherlich kein Problem, andernfalls akzeptieren Schüler aber auch die Auskunft, dass man bei facebook nur mit wirklichen Freunden vernetzt sein möchte. Als Alternative lässt sich eine geschlossene facebook-Gruppe für die Klasse oder den Kurs anlegen, in der man sich austauschen kann, ohne gegenseitig ungewünschten Einblick in das Privatleben zu gewähren.
    Für Eltern stellt sich die Situation etwas weniger problematisch dar, doch auch Mama und Papa sollten akzeptieren, wenn der Nachwuchs seinen Freundeskreis nicht mit den Eltern teilen möchte. Auch die “Generation Kassettenrekorder” hatte schließlich in der eigenen Jugend Rückzugsräume, die für Eltern ganz klar “off limits” waren.

Kommentare

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  1. Pingback: Eltern checken Facebook | Gutenbergschule Wiesbaden

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