Digitalprävention funktioniert! Ein Praxisbeispiel

Beispiele populärer Apps, über die Cybergroomer Kontakt zu Kindern suchen

Ein Kernproblem von Präventionsarbeit ist, dass sie sich nur schwer evaluieren lässt, weil nicht zuverlässig ermittelt werden kann, wie viele Vorfälle sich dadurch nicht ereignet haben, beispielsweise im Bereich Cybergrooming.

Dass digitale Prävention im System Schule funktioniert, erlebe ich in der Praxis aber immer wieder, hier ein aktuelles Beispiel:

An meiner Schule laufen ab der 5. Klasse Veranstaltungen zur Internetsicherheit, bestehend aus einem Einführungsvortrag für die Fünftklässler in der Aula mit Internet-Basics für Kinder, Einzelstunden je nach Bedarf in den einzelnen Klassen, plus eine Doppelstunde für die 7. Klassen zu den Themen Fake News, Hate Speech/Cybermobbing und Sexting (vor zwei Wochen gelaufen). Dazu gibt es Medienelternabende, die der Schulelternbeirat für die 5. Klassen zur Pflichtveranstaltung erklärt hat – das ist rechtlich gar nicht möglich, aber es hilft erheblich in Sachen Teilnahmequote… 😉

Trotzdem chatten zwei 12jährige Mädchen mit einem (für mich) offensichtlichen Pädophilen, der sie auf Tellonym anspricht und dazu bringt, ihm ihre Snapchat-Accounts zu nennen. Er macht den Mädchen Komplimente, u.a. für ein Foto in einer akrobatischen Pose, schickt Herzchen, will sie „knuddeln“ und schlägt ein Treffen vor!

Hätte die Aufklärungsarbeit bei den beiden Kindern gefruchtet, wäre schon der Erstkontakt nicht zustande gekommen. So weit, so schlecht, aaaaber… in diesem Moment greift das präventive Auffangnetz der Klassengemeinschaft: Ein Gruppe von Mädchen, die diese Entwicklung mitbekommen hat und die beiden in mehreren Anläufen nicht überzeugen kann, den Kontakt abzubrechen, bittet einen Kollegen, mich SOFORT anzurufen und berichtet mir am Telefon von dem Vorfall. Natürlich haben sie Sorge, dass das bei ihren Freundinnen gar nicht gut ankommen könnte, aber ich kann sie beruhigen, dass das die einzig richtige und absolut lobenswerte Reaktion war. 30 Minuten später spreche ich mit allen Beteiligten, mache den beiden klar, auf wen sie da hereingefallen sind und kann sie überzeugen, ihren Eltern davon zu erzählen – ansonsten hätte ich das tun müssen. Rechtlich wird man diesem Typen leider nichts anhaben können, weil er bis dahin noch keine Straftat begangen hat. :-/ Hier ist dringend eine Gesetzesänderung notwendig.

Die beiden Mädchen haben ihn jetzt blockiert und ich konnte ihnen klar machen, dass a) ihre Freundinnen sich großartig verhalten haben, wie man das von Freundinnen erwartet b) sie keine Schuld daran haben, dass sie auf einen Pädophilen hereingefallen sind, c) ihnen aber noch einmal eindringlich klar gemacht, dass sie Unbekannten im Netz auf keinen Fall irgendwelche privaten Informationen herausgeben dürfen, auch wenn sie noch so nett wirken. Ich gehe davon aus, dass die Lektion jetzt verstanden wurde.

Internetprävention von Elternseite sollte allerdings so aussehen, dass Eltern wissen, welche Apps ihre Kinder nutzen (indem nur sie das Passwort für den App-Store kennen) und mit wem sie da Kontakt haben. Das hat in diesem Fall wohl nicht wirklich funktioniert, wurde zum Glück aber durch aufmerksame Mitschülerinnen kompensiert. 🙂

Wir brauchen dringend ein solches präventives Netz an ALLEN Schulen, denn viele Eltern sind mit dieser Aufgabe überfordert!

=>Präventionsvideo: Cybergrooming in 7 Minuten erklärt

 


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