15-Minuten-Intervention/Prävention im Bereich Sexting

Aus akutem Anlass war ich gestern im Rahmen des Religion/Ethik-Unterrichts mit einer alten Minolta 7000 (erste Spiegelreflexkamera mit einem vollständig im Gehäuse integrierten Autofokus) für je 15 Minuten in unseren 9. Klassen.
Ich habe zum Einstieg erklärt, wie man in den 80ern ohne Display 36 Bilder knipste und dann eine Filmrolle zum Entwickeln bringen musste, wie hoch dadurch die Hürde war, erotische Fotos zu schießen – insbesondere Selfies – und wie viel Zeit man zum Nachdenken hatte, ob das eine gute Idee ist.
Heute reicht dagegen eine einzige unüberlegte Sekunde, das Foto ist verschickt und außerhalb meiner Kontrolle. Und welcher Teenager ist schon sicher vor solchen Sekunden-Fehlentscheidungen, v.a. wenn Verliebtheit das rationale Denken behindert… Das war früher schon so, aber eben rein analog ohne das Risiko unlöschbarer digitaler Konsequenzen!

Anschließend haben wir die Schuldfrage besprochen, wenn private verschickte Aufnahmen vom Empfänger öffentlich gemacht werden. In allen Gruppen war v.a. von Jungs zu hören, wer solche Fotos von sich versende, sei doch selbst schuld! Wir konnten aber schnell klären, dass da nur eine Person Straftaten begeht und v.a. auch das Vertrauen der abgebildeten Person missbraucht.
Auf die Frage, was passieren würde, wenn die Polizei Kenntnis erhielte, dass intime Fotos von Minderjährigen an einer Schule kursieren, vermuteten die Kids richtig, dass dann wohl eine Menge Handys eingesammelt würden. Schnappatmung kam auf, als ich erklärte, dass diese Smartphones dann bis zum Ende des Verfahrens als Beweismittel bei der Polizei bleiben – in der Regel für mehrere Monate!
Nächste Frage: Wie geht man als Betroffene/r damit um, wenn solche Aufnahmen kursieren und man abfällige Kommentare dafür bekommt? Antwort: Sofort Hilfe suchen (Schulsozialarbeit, VertrauenslehrerIn, Eltern) und auf Mobbing möglichst selbstbewusst reagieren. Bei Unterwäschefotos („Hey, du kennst mich auch im Bikini, jetzt mach mal keine Welle!“) ist das vergleichsweise leicht, im Fall von nackten Tatsachen natürlich extrem schwierig, v.a. für Kinder und Jugendliche.
Letzte Frage: Wenn jemand unter einem solchen Vorfall stark leidet oder sich im Extremfall sogar etwas antut, liegt das dann an dem Foto? Antwort: Nein, es liegt ausschließlich an den Reaktionen der anderen auf das Foto!
Fazit: Es wird sich nicht verhindern lassen, dass Jugendliche mit einem Smartphone immer wieder unüberlegte Dinge tun, die sie hinterher bereuen. Es liegt aber an uns allen, wie wir mit solchen Fällen umgehen, und jede/r einzelne trägt mit ihrem/seinem Verhalten dazu bei, ob die anschließende Welle glimpflich oder mit gravierenden Folgen verläuft.
Ich hätte für dieses Thema gerne deutlich mehr als 15 Minuten gehabt, aber ich musste zeitnah 6 Gruppen versorgen. Die anwesenden Reli/Ethik-KollegInnen berichteten hinterher von großer Betroffenheit und weiterer Diskussion. Trotz der knappen Zeit also zur Nachahmung empfohlen, laut privaten Rückmeldungen von SchülerInnen im Anschluss hatte sich der akute Anlass damit aufgelöst!☺️
Im Rahmen einer Doppelstunde zum Thema Datenschutz & Privatsphäre, die mir die PoWi-KollegInnen zur Verfügung stellen, werde ich das dann demnächst mit den einzelnen Klassen vertiefen.

P.S.: Medienerziehung ist mein absolutes Lieblingsfach, nirgends sonst sind Interesse und Aufmerksamkeit der SchülerInnen dermaßen groß! Sogar Applaus gab es am Ende… 😎

Ich hätte das gerne als Schulfach ab der Klassenstufe 5 – und in die Grundschulen gehört es auch!


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