JIM-Studie 2020 erschienen – deutlicher Anstieg von Bildschirmzeiten und Cybermobbing

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat am 04.12.20 die jährlich seit 1998 erscheinende => JIM-Studie 2020 vorgestellt, die das Mediennutzungsverhalten der 12-19jährigen erfasst.

Wenig überraschend haben die Bildschirmzeiten im Coronajahr nochmals drastisch zugenommen: Mädchen kommen an Schultagen auf durchschnittlich 7:16 Stunden (2019: 5:25), Jungen auf 7:42 Stunden (2019: 5:57). Die schnelle Hoffnung, das läge v.a. am zusätzlichen Onlineunterricht, bestätigt sich leider nicht: Von den 258 Minuten (+53 Minuten) täglicher Onlinezeit wurden nach Angaben der Jugendlichen nur 11% (2019: 10%) auf Informationssuche verwandt, also gerade einmal 28 Minuten – ein Plus von nur 6 Minuten gegenüber 2019!

Verantwortlich für die deutliche Steigerung sind hauptsächlich die Nutzung von Videospielen, mit denen Mädchen an Schultagen 81 Minuten (+38) verbringen, Jungen 159 Minuten (+43), und der TV-Konsum: Mädchen 140 Minuten (+26), Jungen 135 (+35). Dazu kommt die Nutzung von Streamingdiensten wie Netflix im Umfang von 114 Minuten.

Diese Ergebnisse decken sich mit einer Studie des IFO-Instituts vom August 2020, nach der sich die Lernzeit in der Coronazeit halbiert hat, während die Bildschirmzeiten um mehr als 2 Stunden zunahmen.

Auf der anderen Seite haben auch die Lesezeiten erstmals seit Jahren wieder zugenommen, Mädchen lesen an Schultagen 86 Minuten (+24), Jungen 63 Minuten (+18).

94 Prozent der Jugendlichen haben ein eigenes Smartphone. Nachdem 2019 die Ausstattung erstmals seit der Erfassung dieser Daten bei den 12/13jährigen um 9% und bei den 14/15jährigen um 4% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen war, stieg sie in 2020 wieder um 7% bzw. 3% an.

Computer/Laptops besitzen mit 72 Prozent knapp drei Viertel der Jugendlichen. Im Vergleich zu 2019 zeigt sich ein Anstieg bei Computern/Laptops (+7 PP), Tablets (+13 PP),
Wearables (+11 PP) und Fernsehgeräten mit Internetzugang (+14 PP).

In 8% der Haushalte gibt es keinen Drucker, 15 % der Jugendlichen besitzen einen eigenen Drucker.

Nur je ein Fünftel der Schulen nutzte Anfang April eine Schulcloud bzw. Videokonferenzen. Offensichtlich war zu diesem Zeitpunkt eine digitale Infrastruktur von Seiten der Schule vielerorts nicht vorhanden oder wurde nicht genutzt.

Mit 87 Prozent haben aktuell deutlich mehr Schüler*innen eine WhatsApp-Gruppe mit ihrer Klasse (Mädchen: 88 %, Jungen: 85 %). Im Vorjahr waren es noch 69 Prozent (Mädchen: 72 %, Jungen: 66 %). Ein möglicher Grund für diesen starken Anstieg dürfte in den Auswirkungen der Corona-Pandemie
liegen, durch welche weniger persönlicher Kontakt zu Mitschüler*innen sowohl zu schulischen Zwecken, als auch in der Freizeit möglich war.

Generell hat die Nutzung von Social Media Apps wie Instagram und Snapchat deutlich zugenommen, der klare Aufsteiger ist TikTok mit 19 Prozent.

Im Zuge der vermehrten Onlinezeit haben auch Aspekte von Cybermobbing deutlich zugenommen:
38 % (2019: 31%) haben in ihrem Umfeld mitbekommen, dass jemand im Internet absichtlich fertig gemacht wurde. Dieser Wert lag 2014 schon einmal bei 38 %.

29 % (2019: 20 %) geben an, dass falsche oder beleidigende Dinge über sie online verbreitet wurden. 11 % (2019: 8%) wurden nach eigenen Angaben schon einmal „online fertig gemacht – das entspricht einer Zunahme von 37,5 % gegenüber 2019! Das ist wenig überraschend, da die Gefahr, dass Konflikte eskalieren, grundsätzlich erheblich größer ist, wenn sie nicht persönlich, sondern online ausgetragen werden. Auch an meiner eigenen Schule hatte ich in den letzten Monaten mit deutlich mehr digitalen Eskalationen zu tun als vorher. Umso wichtiger sind präventive Maßnahmen, die aber aktuell durch die Coronaeinschränkungen beeinträchtigt sind.

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